Allgemeine Marktanalyse für den Verkauf von Lebensmitteln und Konsumgütern
Charakteristik des mongolischen Binnenmarktes
Der mongolische Binnenmarkt weist folgende Gliederung und Größe auf: 2.7 Millionen
Menschen, davon leben ca. 0.9 Millionen als Nomaden in abgelegenen Gebieten
bei nahezu vollständiger Eigenversorgung. Weitere 0.8 Millionen Menschen
leben in den landesweiten Verwaltungszentren bzw. in deren Nähe. Eine Millionen
Mongolen kann man zur Bevölkerung der Hauptstadt sowie der nahen Industriestädte
im zentralen Norden rechnen. Dieser Bevölkerungsteil ist auch überwiegend
in Industrie- und Verwaltung beschäftigt.
Erweitert wird der mongolische Markt noch durch einige Gebiete im russischen
Sibirien, die an die Mongolei grenzen und überwiegend von mongolischen Bevölkerungsgruppen
bewohnt werden (Tuwa, Burjatien). Ulaanbaatar gewinnt auf Grund seiner Voraussetzungen
als Hauptstadt mit zahlreichen diplomatischen Vertretungen, sich erweiternden
Flugverbindungen, Hotelkapazitäten und dem Eisenbahnanschluß sowohl in südliche
als in westliche Richtung, immer mehr eine zentrale Stellung im südsibirischen
und zentralasiatischen Raum.
Handelssystem
Das ehemalige planwirtschaftliche Handelssystem mit staatlichem Großhandel
und Einzelhandelskaufhallen bzw. -geschäften existiert in dieser Organisationsform
nicht mehr. Der Handel ist vollständig privatisiert und wird heute von einer
Vielzahl kleiner Einzelhändler abgewickelt. Die Waren werden durch sie selbst
beschafft. Aus diesem Grund verfügt auch kaum ein Geschäft über ein halbwegs
komplettes Warensortiment. Erst in den letzten zwei Jahren sind wieder größere
Verkaufseinheiten entstanden.
Für eine Filialisierung bestehen heute günstige Voraussetzungen. Größere
Verkaufseinrichtungen stehen heute im Stadtzentrum billig zur Vermietung und
eine Konkurrenz mit einem breiten Warenangebot ist noch nicht vorhanden.
Allgemeines Konsumverhalten
Das Kaufverhalten der Bevölkerungsgruppe der Industriestädte ist stark geprägt
von ostdeutschen Einflüssen. Ursache dafür ist zum einen, dass die Zahl der
Mongolen, die eine mehrjährige Ausbildung in der ehemaligen DDR erhalten haben,
einige Prozent der Bevölkerung ausmacht und zudem die Mongolen ein ausgesprochen
aufgeschlossenes Interesse für die europäische Lebensweise zeigen. Im Bereich
der Haushaltgüter und Textilien sind für den Mongolen der Gradmesser für Preis
und Beschaffenheit der Ware hauptsächlich die Kataloge großer deutscher Versandhäuser,
die in kaum einem Haushalt fehlen.
Bei dem Konsumverhalten im Bereich der Lebensmittel konnte man in den letzten
Jahren einige interessante Beobachtungen machen. Traditionell sind Fleisch,
Mehl und Milchprodukte die Hauptnahrungsmittel. Wie in allen anderen Lebensbereichen
so kennen auch hier die Mongolen keine dogmatischen Regeln. Nach einer relativ
kurzen Einführungszeit halten viele neue Nahrungsmittel Einzug in die Küche
der mongolischen Haushalte. War zum Beispiel der Verbrauch an Eiern vor etwa
zehn Jahren kaum erwähnenswert, so hat das Ei heute einen festen Platz gefunden.
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Das Bier hat keine zehn Jahre gebraucht, um als Genußmittel die traditionellen
alkoholischen Getränke zu verdrängen. Wurden noch vor wenigen Jahren so gut
wie keine Gewürze in der mongolischen Küche verwendet, sind sie heute zu begehrten
Artikeln geworden. Die Zahl dieser Beispiele läßt sich noch erweitern. Was
hier eigentlich gesagt werden soll, ist, dass es auf diesem Markt zum einen
noch eine ganze Zahl von Lücken gibt, man aber auch neue Produkte relativ
erfolgreich einführen kann.
Der verbleibende Markt, die auf dem Lande lebenden Nomaden, ist ebenfalls
nicht uninteressant. Zum einen wird die Kaufkraft dieser Bevölkerungsgruppe
unter der Entfaltung einer funktionierenden Marktwirtschaft stetig anwachsen,
da diese Nomaden über riesige Viehbestände (ca. 30 Millionen Stück)
verfügen, zum anderen sind die speziellen Interessen dieser Menschen im heutigen
Warenangebot kaum berücksichtigt. So können in den kommenden Jahren solche
Dinge, wie mobile Stromaggregate, Funkgeräte, geländegängige Kleintransporter
bis hin zu Hauswirtschaftsgegenständen auf günstige Absatzbedingungen hoffen.
Kaufkrafteinschätzung
Über die derzeitige Kaufkraft gibt es kaum sinnvolle statistische Belege. Eine
reale Einschätzung kann man nur unter Kenntnis und Beobachtung aller Faktoren
treffen. Formal gesehen liegt das monatliche Einkommen derzeit um die 50 €
und die Zahl der Verdiener im Haushalt bei mindestens zwei Personen. Etwa die
Hälfte des Haushalteinkommens wird danach für die Miete und Energiekosten aufgewendet.
Nach dieser Rechnung blieben pro Einwohner vielleicht 5 € monatlich
für Konsumtion. Diese Berechnung trifft die tatsächlichen Verhältnisse jedoch
nicht, dafür gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen arbeiten doch eine Zahl Mongolen
für ausländische Firmen bzw. erzielen im Tourismusgeschäft Deviseneinkommen. Einkommen
von 500 € im Monat sind unter diesen Umständen keine Seltenheit.
Der statistischen Erfassung unterliegen hier natürlich nur offizielle Erwerbseinkommen.
Nicht wenige Mongolen erzielen aber mit nicht erfassten Zweiteinkommen bis
zu 80% Ihrer Gesamteinkünfte. Zum anderen arbeitet eine nicht geringe Zahl
von Mongolen derzeit in Westeuropa bzw. Korea und sorgt somit für einen nicht
geringen Devisenfluß in das Heimatland.
Zu guter Letzt ist ein nicht unwesentlicher Punkt der, dass die Mongolen
auf unterschiedlichster Ebene einen Teil des Handels zwischen Russland und
China übernommen haben. Selbst Privatpersonen haben daraus schon beachtliche
kommerzielle Erfolge erzielt. Bei der Beurteilung der Kaufkraft, zumindest
in der Hauptstadt, darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass auch eine Anzahl
Ausländer hier lebt, die in diplomatischen Vertretungen und für internationale
Organisationen arbeitet, sowie eine ständig wachsende Zahl von Touristen in
den Sommermonaten.
Jens Geu
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