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Eine Wasserkraftanlage für Chatgal? Die Fortsetzung einer ungewöhnlichen Geschichte

Von J. Geu, März 2005

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Unermüdlich kämpft Klaus Weigel für sein Vorhaben, eine Wasserkraftanlage am Khuvsgul See errichten zu können. Im Januar, wenn sich bei minus 40 Grad die meisten Ausländer aus der Mongolei zurückgezogen haben oder den sicheren Schutz der Hauptstadt suchen, reiste Klaus Weigel wieder durch das Land. Neben Gesprächen in Erdenet, wo möglicherweise weitere Turbinen für Kleinwasserkraftanlagen gebaut werden sollen, stand die Prüfung von wintertauglichen Standorten für Kleinwasserkraftanlagen auf dem Programm, denn man sollte es kaum glauben, auch bei diesen Extremtemperaturen im mongolischen Winter gibt es einige ausgewählte Standorte an denen noch fließendes Wasser anzutreffen ist. Solche Standorte haben natürlich einen deutlichen Vorteil gegenüber den im Allgemeinen im Winter wasserarmen Flüssen in der Mongolei.


Herr Weigel

Die Suche nach geeigneten Standorten im Land ist zeitaufwendig, die Dimensionen sind riesig, die Reisebedingungen beschwerlich und Fakten sind kaum dokumentiert. Hier helfen die zahlreichen Gespräche, die Klaus Weigel schon mit allen möglichen mongolischen Insidern geführt hat, darunter pensionierten Hydrologen und Biologen deren Wissen in der modernen Business Welt der Mongolei heute scheinbar nicht mehr nachgefragt ist. Geholfen hat auch die Landeskenntnis der Monrise Guides, die heute auf jeder Touristentour Ausschau halten nach Stromschnellen, auch in den entlegensten Flüssen.

Ein Treffen mit dem mongolischen Energieminister in Ulaanbaatar brachte ihm zwar dessen volle Anerkennung ein, aber ein Konzept für die Finanzierung, zumindest der dringend benötigten Anlage in Chatgal, konnte auch nicht aufgestellt werden. Das Angebot, den Anlagenbau privat zu betreiben und staatlicherseits zu bezuschussen klang für den Minister schon recht interessant, spart er doch damit ca. 80 Prozent der Kosten, die sein Ministerium für den Bau einer staatlich finanzierten Anlage aufwenden müsste, aber selbst der Zuschuss ist in seinem Budget derzeit nicht möglich. Vereinbart wurde zumindest ein weiteres Treffen im März, da wollte der Minister nach Sachsen reisen und an einem internationalen Workshop teilnehmen. In parallelen Gesprächen mit Vertretern der deutschen Entwicklungshilfebehörden sollten dort Finanzierungsmöglichkeiten, auch für Kleinwasserkraftanlagen, besprochen werden.

 

Wieder in Sachsen suchte Klaus Weigel diesmal Kontakt zur sächsischen Presse, auch mit dem Gedanken vielleicht findet sich doch noch ein Enthusiast, der irgendwie eine private Unterstützung anbieten kann. Für die Journalistin war die Geschichte vom privaten Wasserkraft-Entwicklungshelfer aus dem Erzgebirge einen viel beachteten Beitrag wert, zumindest Sympathiebekundungen gingen darauf zahlreich in Elterlein ein.

Am 6. März reiste dann Herr Otchirkhuu, seit einigen Monaten erst Energieminister der Mongolei, in Leipzig an. Herr Weigel und seine Verbandskollegen vom sächsischen Wasserkraftverband hatten mehrere Anlagen zur Besichtigung vorbereitet, das Wetter und die Grippewelle machte einen Strich durch die Rechnung, der Minister musste die geplante Besichtigung absagen. Klaus Weigel stellte sein Programm um, es fanden nun in Leipzig mehrere ausführliche Gespräche mit dem Minister und seiner kleinen Delegation statt. Zentrales Thema war, wie kann man in der Mongolei für private Investoren den Bau und Betrieb einer Wasserkraftanlage wirtschaftlich attraktiv machen, denn mittlerweile gibt es auch in der Mongolei einen privaten Investor, der bereit ist sich an der Wasserkraftanlage in Chatgal zu beteiligen. Wer würde aber einige 100 000 Euro aufwenden, um über die geringen Erlöse aus dem Stromverkauf ein paar hundert Euro im Monat einzunehmen? Nahe liegend ist natürlich, dass der mongolische Staat, die enormen Subventionen für die Dieselverstromung als Subvention an den Investor einer Anlage weiterreicht. Die Runde, die Klaus Weigel um einen deutschen Bauingenieur mit Mongoleierfahrung erweitert hatte, diskutierte lange über dieses Grundproblem der dezentralen mongolischen Energieversorgung. Um die Entwicklung der Siedlungen in den ländlichen Regionen nicht vollständig von der raschen Entwicklung in den größeren Städten abzukoppeln darf dieses Problem aber nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden, mongolische Gelassenheit ist hier fehl am Platze, so zumindest die Meinung von Klaus Weigel.

Vereinbart wurde mit dem Minister, sich unbedingt im Mai wieder zu treffen, dann weilt Klaus Weigel erneut in der Mongolei und will die erste von ihm in der Mongolei gebaute Wasserturbine einbauen, in Baruun Tuuruun, einer kleinen von der Welt und der Hauptstadt vergessenen Siedlung im Westen des riesigen Landes.

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